Divadelní noviny Aktuální vydání 4/2024

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ročník 33
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    Regisseur Thomas Langhoff ist tot

    Thomas Langhoff

    (8. 4. 1938 Curych – 18. 2. 2012 Berlín)

    Snímek archiv

    Theaterregisseur Thomas Langhoff ist tot

    Sein Metier waren die großen Klassiker der Theaterliteratur: Der frühere Intendant des Deutschen Theaters in Berlin starb am Samstag im Alter von 73 Jahren.

    Der Regisseur und langjährige Intendant des Deutschen Theaters, Thomas Langhoff, ist am Samstag im Alter von 73 Jahren gestorben. Langhoff, der als Mann für das klassische Fach galt, wurde 1938 im Schweizer Exil in Zürich geboren und stammte aus einer Theaterfamilie. Er kam 1948 nach Ost-Berlin, seine Schauspielausbildung absolvierte er in Leipzig. Seine Bühnenkarriere begann am Hans Otto Theater in Potsdam.

    Die Liste seiner Inszenierungen ist lang. Zu seinen Bühnen gehörten das Maxim Gorki Theater in Berlin und die Münchner Kammerspiele. Am Deutschen Theater war er zehn Jahre Intendant. Beim Berliner Theatertreffen war er mit sechs Stücken eingeladen. Für das Fernsehen drehte Langhoff Filme wie „Guten Morgen, du Schöne“ nach dem Buch von Maxi Wander. In den letzten zehn Jahren war, neben Gast-Inszenierungen in Wien und München, das Berliner Ensemble seine künstlerische Heimat. Am Burgtheater hatte er zuletzt in der Saison 2007/08 das Großprojekt „Wallenstein“ realisiert.

    Inszenierte auch oft in Wien und Salzburg

    Langhoff gehörte zu den „herausragenden Regisseuren unseres Landes“, wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit es bei der Verleihung des Berliner Kunstpreises 2010 formulierte. Es war die letzte Auszeichnung für den Regisseur, der unter anderem den Nationalpreis der DDR II. Klasse für Kunst und Literatur (1984), den Deutschen Kritikerpreis (1990), die Wiener Josef-Kainz-Medaille (1992) und den Verdienstorden des Landes Berlin (1995) sein Eigen nannte. Der Sohn des Theaterintendanten Wolfgang Langhoff hatte zunächst in den 1960er Jahren als Schauspieler am Theater und ab 1971 als Schauspieler und Regisseur beim DDR-Fernsehen gearbeitet.

    Seit 1979 arbeitete Langhoff als freischaffender Regisseur und inszenierte in Berlin, Frankfurt, München, Wien und bei den Salzburger Festspielen. Seit 1989 war er am Deutschen Theater tätig, dem er von 1991 bis 2011 leitend vorstand. Die großen Realisten der Dramatik Tschechow, Ibsen, Gorki, Hauptmann, Strindberg waren sein Lebensthema, schreibt das Berliner Ensemble in seiner Aussendung. Die letzte Arbeit von Langhoff, die Inszenierung von Tschechows Der Kirschgarten, hatte vor vier Monaten Premiere am Berliner Ensemble gefeiert. Das Theater spielte das Stück auch am Todestag.

    Kurier, 18. 2. 2012

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    Mai 2009. Snímek archiv

    Regisseur Thomas Langhoff ist tot

    Er galt als eine Ost-West-Legende des Theaters: Der Regisseur Thomas Langhoff ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

    Der Theaterregisseur Thomas Langhoff ist tot. Der langjährige Intendant des Deutschen Theaters in Berlin starb am Samstag im Alter von 73 Jahren in Berlin, wie das Berliner Ensemble (BE) mitteilte. Das frühere Brecht-Theater am Schiffbauerdamm war zuletzt, neben Gast-Inszenierungen in Wien und München, die künstlerische Heimat des Sohnes des bedeutenden DDR-Theaterleiters Wolfgang Langhoff. Am BE stand auch am Tag seines Todes seine letzte Inszenierung von Tschechows Kirschgarten auf dem Spielplan.

    Thomas Langhoff hat Theatergeschichte geschrieben. Er gehörte zu den wichtigsten Regisseuren im deutschsprachigen Raum in Ost und West. Von 1991 bis 2001 leitete Langhoff das Deutsche Theater in Berlin, wo er zuvor bereits als Regisseur arbeitete.

    Langhoff begann in den frühen sechziger Jahren zunächst in Potsdam und Brandenburg eine Schauspielkarriere und lernte als Jugendlicher Bertolt Brecht kennen. Brecht hatte Anfang der fünfziger Jahre noch Gastrecht am Deutschen Theater, bevor er sein Berliner Ensemble am nahegelegenen Theater am Schiffbauerdamm ansiedelte. Das politische Belehrungstheater Brechts mit dem erhobenen Zeigefinger war Langhoffs Sache nie, Theater war für ihn immer auch in erster Linie Freude am Spiel. Langhoffs politische Botschaften waren in seinem Inszenierungsstil subtil verpackt. Seinen ersten Brecht inszenierte Langhoff erst sehr spät, 1998 mit dem Kaukasischen Kreidekreis.

    Leiter des Deutschen Theaters

    Von 1991 bis 2001 leitete Langhoff das traditionsreiche, vor dem Zweiten Weltkrieg schon von Max Reinhardt geprägte Deutsche Theater in Berlin, das einstige Staatstheater der DDR, wo Langhoff zuvor bereits als Regisseur arbeitete. Dort hatte sein Vater Wolfgang Langhoff als Intendant ebenfalls bereits gewirkt, bis ihm in den frühen sechziger Jahren von der dogmatischen SED-Kulturpolitik übel mitgespielt wurde. Der Sohn vergaß das nie.

    Thomas Langhoff gelang es später, das Haus in der Schumannstraße mit einem der renommiertesten Schauspiel-Ensembles der DDR in den schwierigen Jahren nach der Wiedervereinigung zu stabilisieren und in eine neue künstlerische Zukunft zu führen. Und auch dem neuen jungen Theater gab er Raum in der benachbarten Baracke als kleine Avantgardebühne, wo Nachwuchsregisseure wie Thomas Ostermeier, der heutige Leiter der Berliner Schaubühne, bald Furore machten.

    Der 1938 in Zürich geborene Thomas Langhoff lebte nach der Rückkehr der Familie aus der Emigration in Ost-Berlin. Die Familie führte in der DDR ein großbürgerlich-privilegiertes Leben in einer Villa mit den Nachbarn Bertolt Brecht und Helene Weigel und Freunden wie Anna Seghers, Hanns Eisler oder dem Kulturminister Johannes R. Becher.

    Höhepunkte der Regie-Karriere

    Seit 1962 war der Schauspieler Thomas Langhoff an verschiedenen Bühnen wie Brandenburg, Potsdam und Borna bei Leipzig engagiert sowie ab 1971 auch beim DDR-Fernsehen als Schauspieler und Regisseur tätig. Seit 1979 war er freischaffender Regisseur und machte bald am Ost-Berliner Maxim-Gorki-Theater wie auch in Frankfurt am Main, München, Wien und bei den Salzburger Festspielen auf sich aufmerksam. Zu den Höhepunkten seiner Regie-Karriere gehören Schnitzlers Drama Der einsame Weg Ende der achtziger Jahre bei den Salzburger Festspielen, wo er 1990 auch Die Jüdin von Toledo nach Grillparzer mit Ulrich Mühe, Susanne Lothar und Anne Bennent inszenierte.

    Eine Sensation war noch zu DDR-Zeiten 1988 seine Inszenierung der Uraufführung von Volker Brauns Übergangsgesellschaft am Gorki-Theater, eine Parabel auf eine zerfallende Gesellschaft – ein Jahr vor dem Fall der Mauer. Am Deutschen Theater in Berlin fanden seine Inszenierungen von Schillers Maria Stuart (1980), Shakespeares Kaufmann von Venedig (1985), Hauptmanns Der Biberpelz und Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist (1990) starke Beachtung. Nach der Wende wurden sechs seiner Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

    Langhoff hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Deutschen Kritikerpreis, die Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien und den Großen Kunstpreis Berlin.

    Die Zeit, 19. 2. 2012

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    Snímek archiv

    Thomas Langhoff – der zaudernde Bewahrer

    Thomas Langhoff ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Er gehörte zu den wichtigsten Regisseuren im deutschsprachigen Raum in Ost und West. Mit ist der vielleicht letzte Epiker des deutschen Theaters gegangen.

    Als Thomas Langhoff 1991 die Leitung des Deutschen Theaters übernahm, begrüßte er das Haus mit einer nur scheinbar rätselhaften Botschaft: „Wir können nicht bleiben, wie wir waren, und können nicht anders werden, als wir sind.“ Das war, zwei Jahre nach dem Mauerfall, Langhoffs Leben – in einem Satz.

    Er war zaudernder Bewahrer und wusste doch, dass das nicht ging. Die Kräfte des ostdeutschen Theaters, dem er nur vorübergehend angehörte, bündelte er ein letztes Mal, bevor die Nachwelt über ihn herfiel und ihn demontierte; bevor dieses Deutsche Theater erstarrte in „absoluter Bunkermentalität“, so Langhoff selbst. Er war wundersames Bindeglied zwischen ost- und westdeutscher Theatertradition. Und ein finaler Erbe Max Reinhardts.

    Er schuf Modellinszenierungen

    Das hat ihn zerrieben. Daran hielt er fest. Festgelegte Menschenbilder hätten ihn immer eingeschüchtert, sagte er, und doch ist er dieser betonierten Welt irgendwie, zumindest äußerlich, treu geblieben – aber auch seinem „wichtigsten“ Vorsatz: „Mit mir nicht!“ Die Theaterarbeiten Thomas Langhoffs, der am Sonnabend im Alter von 73 Jahren gestorben ist, hatten erzählerischen Atem, langmütige Kraft und behaupteten eine Texttreue, die mit den Jahren nicht nachließ. Mit Kriemhilds Rache von Hebbel oder Botho Strauß‘ Ithaka, beide am Deutschen Theater, war er der wohl einzige Regisseur in Deutschland, der nach der Wende Sinn und Form für die Tragödie aufbrachte. Denkwürdiges glückte ihm bei den Salzburger Festspielen: Er schuf gleichsam Modellinterpretationen von Schnitzlers Der einsame Weg (1987) und Grillparzers Die Jüdin von Toledo (1990) mit Susanne Lothar und Ulrich Mühe. Langhoffs mit Teebräune überzogener Tschechow lebte vom Ensemblegeist, dessen Kräfte er zu wecken wusste wie kein Zweiter.

    Die Quelle, aus der dieser Zweifler und hadernde Gutmensch schöpfte, war sein Vaterkonflikt. Im Zürcher Exil des übermächtigen Wolfgang Langhoff wurde Sohn Thomas am 8. April 1938 geboren und, nach eigenen Worten, „idealistisch“ erzogen. Langhoff wuchs nicht unter Mangelwirtschaft oder Bedrohung auf, sondern „mit Toblerone und Bircher Müsli“. Nach der Heimkehr ins kaputte Berlin wurde der Vater Intendant des Deutschen Theaters. Am Besuchertisch im Foyer machte Knabe Thomas seine Hausaufgaben. Er wollte Grafiker werden. Von Bertolt Brecht bekam Thomas die erste Jeans geschenkt.

    Was man ihm später kaum mehr zugetraut hätte: Ende der Vierzigerjahre schloss sich Langhoff der berüchtigten Schlecko-Bande an – einer Gruppe marodierender Jugendlicher in Berlin. Man brach ein, verkaufte Geklautes und machte Gartenlauben dem Erdboden gleich. Sein Vorbild: Tom Sawyer. Noch 50 Jahre später klang Bewunderung durch, wenn Thomas Langhoff über das Ende der rivalisierenden Gladow-Bande räsonierte. Der Anführer hatte auf die Verkündung seines dreifachen Todesurteils geantwortet: „Einmal können Sie mich hinrichten. Die anderen zwei Male sind Leichenschändung.“

    Antibürgerliche Seite

    Das war die andere, antibürgerlich-anarchische Seite des Thomas Langhoff. Wiederfinden konnte man sie darin, dass er gern in vermintem Gelände inszenierte, umzingelt von Partisanen. Doch lange bevor er selbst Erfolg am Theater haben sollte, reüssierte sein drei Jahre jüngerer Bruder Matthias Langhoff, der sich radikaler, unversöhnlicher abgenabelt hatte. Thomas litt „zutiefst“ unter dem Erfolg des Jüngeren sowie am väterlichen Verdikt, er sei kein Regisseur – bevor er spät, erst im vierzigsten Lebensjahr, anfing, „richtig zu inszenieren“.

    Der Durchbruch kam mit Hauptmanns Einsame Menschen 1978 am Maxim Gorki Theater. Seine Drei Schwestern (1979) liefen dort 14 Jahre. 1984 gelang ihm an den Münchner Kammerspielen mit einem grandiosen Platonow ein weiterer Urknall der Tschechow-Renaissance. Nur ans Deutsche Theater band er sich fest. Höhepunkt seiner Arbeit hier: Maria Stuart 1981 mit Gudrun Ritter als Elisabeth und Jutta Wachowiak in der Titelrolle. Die überrumpelnde Vergegenwärtigung durch subtile Psychologisierung galt als Sensation der DDR –Klassikerpflege. Später, 1992, gelang ihm mit Hofmannsthals Turm noch einmal grandios beseeltes Texttheater, ein überwältigendes Aufbegehren jener Treue gegenüber dem Autor, die dann so rigoros als altmodisch verpönt wurde. Bei Langhoff wirkte sie nie staubig oder verstockt. Ein Nadelöhr war es trotzdem. Seine große Zeit ging mit der Abberufung als Intendant 2001 zu Ende.

    Für spätere Rivalen hat er einiges getan. Er entdeckte Thomas Ostermeier. Band Heiner Müller, Einar Schleef und Frank Castorf an sein Haus. Genau jene Regisseure, die sich unter ihm zu Repräsentanten eines ästhetischen Wechsels mauserten. Und: Er träumte von einem neuen Nationaltheater. Den „klassikergeilen West-Berlinern“, wie er damals selber spottete, bot er ein letztes Mal einen Ort zum Ausruhen und Genießen.

    Späte Arbeiten wie Totentanz am Berliner Ensemble (mit Dagmar Manzel und Dieter Mann) oder Bernhards Elisabeth II. und Schillers Wallenstein (beides mit Gert Voss am Burgtheater) waren nobel patinierte und auch irgendwie erstarrte Spätfolgen seines eigenen Theaters. Die letzten Langhoff-Abende wirkten wie stille Seen inmitten einer tumultuarisch durcheinandergeratenen Welt.

    Thomas Langhoff ist ein Spätling unter den Lordsiegelbewahrern des europäischen Theaters gewesen. Er bewunderte Peter Brook. Und das Theater Fritz Kortners, das versucht, in Texte zu dringen und alles aus Texten herauszuholen, was möglich ist; das heißt, sie mit Lust zu interpretieren, ohne gewalttätig zu verändern. Langhoff verstand es, Stücke durchzuerzählen. Leicht wurde die Großtat des langen Atems übersehen, die Gelassenheit eines Spiels, das aus schwerem Konflikt und großer Liebe geboren war. Mit Thomas Langhoff starb der vielleicht letzte Epiker des deutschen Theaters.

    Berliner Morgenpost, 20. 2. 2012

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    Divadelní režie (výběr)

    Botho Strauss: Schändung (Zhanobení), Berliner Ensemble 2006 (11. 11. 2006 hostovala inscenace v Divadle na Vinohradech v rámci PDFNJ) Snímek archiv Berliner Ensemble

    (Z Die Zeit, Kurier, Berliner Morgenpost a Wikipedia převzal a pro i-DN zpracoval hul)

    • Autor:
    • Publikováno: 21. února 2012

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